Software & Mixing

Meine Zielsetzung ist es, die komplette Audioproduktion mit freier Software durchzuziehen. Daher ist mein Produktivsystem ein Linux, genauer das verbreitete Ubuntu.

Darauf sitzt der Jack Audio Server, Sequencer und Effekthost ist Ardour. Wer bereits ein Ubuntu betreibt, kann die genannten Pakete einfach per

sudo apt-get install ubuntustudio-audio

und

sudo apt-get install ubuntustudio-audio-plugins

nachinstallieren.

Ardour gibt es auch für Mac OS, falls sich jemand dafür interessiert, und Jack sogar für Windows. Jack ist vor allem interessant für jene, die möglichst alles in Software machen wollen, da dieses Tool völlig absurde Routings ermöglicht und jede Software, die mit Jack spielt, mit jeder anderen komplett vernetzen kann und dabei die Timecontrol übernimmt. (Play in einer Anwendung bedeutet Play in allen angeschlossenen) Auch Submixe sind möglich und hochinteressant für jene, die mehrere Kopfhörerausgänge separat bespielen möchten.

Seitdem ich meinen kleinen Recorder habe, benutze ich Ardour für den Todescast praktisch nur noch zum Schneiden und Mischen. Ardour hat die praktische Eigenschaft, dass man ein Projekt als Vorlage abspeichern kann und so alle Effekte und Spurnamen bereits vorgegeben hat und im Idealfall nur noch die WAV-Files importieren und in die Spuren ziehen muss.

Mixing

Für die, die’s genau wissen wollen: In meinem Preset hat jedes Mikrofon eine einzelne Spur. Die Aufnahmen werden normalisiert, denn alle Spuren sollen ja den gleichen Spitzenpegel haben. In Ardour tut man das mit der Taste N, und bei längeren Aufnahmen dauert das manchmal ein paar Sekunden, je nach Rechner.
Auf jeder Spur liegt zunächst ein Equalizer, der unterhalb von 100 Hertz alles abschneidet, also ein Low Cut oder High Pass Filter, und Expander, der Klänge unterhalb einer einstellbaren Schwelle abschwächt. Es folgt ein Noisegate, das unterhalb einer weiteren Schwelle den Kanal komplett stumm schaltet. So sind die schlimmsten Störgeräusche weg und auch das Übersprechen, also dass Mikrofon für Person A auch das hört, was Person B sagt, wird minimiert, so dass der Raumklang weniger ins Gewicht fällt. Darauf folgt jeweils ein Equalizer, der die klanglichen Eigenschaften der verwendeten Mikrofone aneinander angleicht und die für die Sprachverständlichkeit irrelevanten Bassfrequenzen etwas bedämpft.
Manchmal sezte ich hier bereits einen sanften Kompressor ein. Wichtig: Die Reihenfolge der Effekte hat ihren Sinn. Wenn der Low Cut z.B. erst nach dem Noisegate kommt, muss das Noisegate auf viel mehr Frequenzen “achten”.

Alle Sprachspuren laufen zusammen auf einem Bus, also einer Spur ohne eigenen Inhalt, die eine Summe der eingespeisten Signale bildet. Vorteil: Sobald die Sprachspuren zueinander ausgewogen klingen, kann man vermittels des Buses die Gesamtlautstärke der Sprache hervorragend kontrollieren, einmal im Gesamten und natürlich im Verhältnis zur Effektspur. (In meinem Fall die Stereoaufzeichnung des Laptopausganges)
Vor allem wichtig ist allerdings, dass man hier Effekte, insbesondere einen Kompressor einsetzen kann, die die Gesamtsumme der Stimmen beeinflusst: Würde jede Spur nur individuell komprimiert, müsste man einen ziemlich großen Aussteuerungsspielraum einplanen für den Fall, dass einmal mehr als einer der Sprecher spricht – was bei uns unausgebildeten Podcastsprechern durchaus öfter vorkommen dürfte. Wird aber die Summe der Stimmen komprimiert, werden automatisch alle anderen Signale leiser, wenn ein weiteres dazukommt.

Dieser Bus geht zusammen mit der Effektspur auf den Master, auf dem ebenfalls ein Kompressor sitzt, der aber in der Regel nichts tut, weil die ankommenden Signale bereits komprimiert sind, aber anspringt, sollten Effekte und Stimmen gleichzeitig auftreten, und ein Limiter. Dieser regelt alles herunter, was oberhalb von -1 dB (Warum nicht 0 dB? True Peak) liegt und steuert mit seinem eigenen Gain, unabhängig vom Masterfader, die Lautheit des gesamten Mixes auf ein erträgliches Maß aus.
Der Mix entspricht dann in keinster Weise der EBU R 128, und das Klangbild der Stimmen ist durch die abgesenkten Bässe vielleicht manchmal etwas weniger voll als in anderen Podcasts. Der Vorteil ist allerdings eine extrem gute Sprachverständlichkeit, selbst bei lauten Umgebungsgeräuschen und geringer Wiedergabelautstärke.

Finishung & Veröffentlichung

Anders als viele andere Podcaster benutze ich nicht Auphonic. Zum einen, weil mein Approach auf kommerzielle Software verzichtet, und zum anderen weil mein Setup bereits stand, bevor Auphonic die wesentlichen, heute vorhandenen Komfortfunktionen bot.
In der Tat macht mir das Mischen und Hochladen einer Folge durchaus (noch) so etwas wie Spaß, und ich sehe keinen Grund, das aus der Hand zu geben. Das lästige Umwandeln des WAV-Exportes aus Ardour kann man nämlich auch gut automatisieren. Zu diesem Zweck habe ich ein Skript geschrieben, das eine in einem Ordner liegende WAV findet und an ffmpeg übergibt, welches ein MP3 in Mono, 64Kbit/s und ein Ogg in Stereo bei Qualität 5 ausspuckt, ohne dass ich noch viel dazu tun müsste.
Hier könnt ihr es downloaden.
Der Upload ist trivial wie überall, das Anlegen der Folge einfacher WordPressstandard.

Meist fehlt mir zwar die Geduld dazu, manchmal ist es aber doch ratsam: Es schadet nicht, die eigene Folge noch einmal am nächsten Tag oder zumindest einige Stunden später probezuhören. Man hört sich vieles schön, wenn man länger damit beschäftigt ist, und verliert leicht das Ohr für offensichtliche Fehler.

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